Neues aus unseren Einrichtungen

Ein neuer Garten für das Kinderhaus Kunterbunt

Lange haben wir gewartet. Doch dann war es Ende Februar 2020 endlich soweit! Der Außenbereich des Kinderhauses Kunterbunt sollte saniert und erweitert werden. Als die ersten Bagger anrückten, war die Begeisterung unserer Kinder groß. Viele kleine Kindernäschen klebten täglich an den Fensterscheiben und beobachteten zunächst die Abbruch- und Aushubarbeiten. Als die Kinder sogar nur noch zeitgleich mit den Gartenarbeitern frühstücken wollten und wir die ersten „Baggerfahrten“ gebucht hatten, war uns klar, dass „Die Baustelle“ das Projektthema für die nächsten Wochen sein wird.

Sebastian Grochol, Katharina und Lea Feirer (v.l.)

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Die Krise ermöglicht mehr individuelle Förderung
Notbetreuung in den evangelischen Kindertagesstätten in Esslingen läuft problemlos

Die kleine Katharina genießt die volle Aufmerksamkeit der Erzieher: Die Vierjährige ist am frühen Nachmittag das einzige Kind in der evangelischen Kindertagesstätte Parkstraße in Esslingen und sitzt im großen, leeren Gruppenraum konzentriert über einem Blatt Papier, während ihr Lea Feirer und Sebastian Grochol beim Malen über die Schulter schauen. Die beiden anderen Kinder wurden bereits aus der Notbetreuung abgeholt.
Sich so intensiv um die Kinder zu kümmern, dazu habe man im Normalbetrieb natürlich keine Zeit, sagt Kita-Leiterin Lea Feirer. Gemeinsam mit Grochol, der die Ausbildung zum Erzieher absolviert, ist sie an diesem Tag für die Notbetreuung zuständig. Insgesamt drei Kolleginnen und Kollegen wechseln sich im Notdienst ab. Drei Kinder, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, werden derzeit in der Kita betreut.
In Corona-Zeiten wird auch im Kindergarten auf verschärfte Hygiene geachtet. „Das richtige Händewaschen und Abtrocknen haben wir schon vor der Schließung geübt“, berichtet Feirer. Zweimal „Happy Birthday“ singen, das hatten die Kleinen schnell intus. Um vor einer Infektion zu schützen, würden Kinder und Personal jetzt noch häufiger zu Wasser und Seife greifen – gleich nach der Ankunft und immer wieder zwischendurch. Auch das Reinigungspersonal kümmere sich intensiver um die Desinfektion neuralgischer Punkte wie Türklinken.
Mit den wenigen Kindern könne man intensiv auf individuelle Interessen eingehen, erklärt Feirer. Ein Kind begeistere sich etwa besonders für Musik, dafür sei jetzt viel Zeit. Mit diversen Spielen könne man außerdem gezielt Fähigkeiten fördern, so die Pädagogin. Die Kinder haben jetzt die freie Auswahl beim Spielen. „Manchmal fällt ihnen die Entscheidung richtig schwer“, hat die Erzieherin beobachtet. Sie und ihre Kollegen achten darauf, dass die Kinder viel Bewegung bekommen – im Bewegungsraum, aber auch im Garten. Weil die Spielplätze geschlossen sind, ist das besonders wichtig. Auch für das gemeinsame Backen oder Bemalen von Ostereiern ist jetzt Zeit und Muße. „Doch sie vermissen ihre Freunde“, hat Feirer beobachtet.
Dass es still im Haus zugeht, ist nicht nur für die Kinder ungewohnt. „Wir vermissen den Trubel, den Lärm und auch die anderen Kinder“, gesteht Feirer.
Nicht vergessen wurden übrigens die 65 Kinder, die derzeit zuhause bleiben müssen. Ihnen haben die Erzieherinnen jeweils ein kleines Überraschungspaket mit Bastelvorschlägen, Ausmalbildern und kleinen Rätseln zukommen lassen.
Insgesamt sieben evangelische Kindertagesstätten in Esslingen halten momentan einen Notbetrieb aufrecht, erklärt Sabine Maier, pädagogische Leiterin der von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen getragenen Kitas. Insgesamt ist die evangelische Kirche in Esslingen Trägerin von 17 Kindertagesstätten, in denen für etwa 800 Kinder rund 180 Mitarbeitende zuständig sind. Welche Kita öffnet, hänge vom Bedarf ab, erklärt Maier. Denn die Kinder sollen möglichst in ihrer angestammten Einrichtung von den bekannten Erzieherinnen betreut werden. Das habe zudem den Vorteil, „dass sich nicht Leute treffen, die sonst nicht zusammenkommen.“ Würden alle Kinder in einer Einrichtung betreut, könne das problematisch werden, wenn Corona ausbreche, gibt Maier zu bedenken.
Die Kinderzahl schwankt derzeit von einem bis zu vier Kindern, eine Begrenzung nach oben gebe es nicht, so Maier. Allerdings werde darauf geachtet, dass keine Kinder kommen, die in irgendeiner Form krank seien. Während den Erwachsenen nahegelegt werde, den nötigen Abstand zu halten, sei dies bei Kindern nicht möglich. „Sie dürfen selbstverständlich miteinander spielen.“
In jeder Einrichtung sind mindestens zwei Erzieherinnen im Einsatz. Ältere Erzieherinnen, solche mit Vorerkrankungen oder mit kleinen Kindern zuhause würden erstmal nicht eingesetzt. Sie arbeiten zuhause an Portfolios, Konzeptionen oder anderen Vorbereitungen und tauschen sich per Videokonferenzen aus.
In der Betreuung sei man sehr flexibel. „Wir können den Eltern unbürokratisch auch mehr Stunden anbieten, als sie ursprünglich gebucht haben“, sagt Maier. Grenzen setze allein die Betriebserlaubnis. Den Eltern zollt sie großes Lob: „Sie nehmen die Betreuung nur in Anspruch, wenn sie es wirklich brauchen.“ Mit einer entsprechenden Bescheinigung zur Systemrelevanz können sie sich bei Bedarf sowohl in der Kita direkt, als auch beim Träger melden.
Vor allem die Kita-Leitungen seien derzeit stark gefragt. „Sie engagieren sich vorbildlich und manche verzichten sogar auf Urlaub“, lobt Maier. Und auch Dekan Bernd Weißenborn betont: „Ich danke den Beschäftigten in den Kindertagesstätten für ihr großes Engagement. Diese Krise zeigt zudem, dass wir als evangelische Kirche eine sehr funktionierende und gut organisierte Kindergarten-Trägerstruktur haben, die sich jetzt bewährt und auf die wir stolz sind.“ Auch die Evangelische Gesamtkirchengemeinde verzichtet wie die Stadt Esslingen im April übrigens auf die Kita-Gebühren.

 
  • © Ulrike Rapp-Hirrlinger
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